Süddalmatien ist mit nur 1.782 km² und 123.000 Bewohnern die kleinste und einwohnerärmste Region Kroatiens. Trotzdem zieht die Gegend viele Touristen an, denn Süddalmatien hat einmalige Städte, Inseln und Orte, mildes Klima, mediterrane Vegetation und schöne Landschaften zu bieten. Das schönste Juwel des kroatischen Kulturerbes, die Altstadt von Dubrovnik, liegt ganz im Süden Kroatiens in seiner sonnigsten Tourismusregion. Es besteht lediglich aus der Gespanschaft Dubrovnik-Neretva, die sich fast zur Gänze am Meer entlang erstreckt. Hier ist Dubrovnik das schönste und das bedeutendste, aber keinesfalls das einzige kulturelle Juwel.
Hier liegen auch die Heimat Marco Polos, die Insel Korcula, die grünen Inseln Mljet, Lastovo und die Elafiten und ihre malerischen Ortschaften, die Halbinsel Peljesac mit ihren Weinbergen und Kapitänshäusern, das charmante Tal Konavle und das fruchtbare Delta der Neretva. Die Region Süddalmatien nahm in der Geschichte eine besondere Entwicklung, denn hier erlebten die kroatische Kunst und Kultur im 13. bis zum 18. Jahrhundert eine besondere Blüte. Ihren Höhepunkt erreichten sie im 16. Jahrhundert, als die berühmte Republik Dubrovnik auf dem Gipfel ihrer Macht stand.
Wenn wir vom Flughafen Dubrovnik her auf der hoch über dem Meer verlaufenden Straße anreisen, ist die Silhouette der Altstadt von Dubrovnik eines der bekanntesten Bilder Kroatiens und des ganzen Mittelmeerraums. Übrigens beginnt auch der erste Satz der Beschreibung Dubrovniks in der UNESCO-Liste des Welterbes mit den Worten „die Perle der Adria an der dalmatinischen Küste”, denn nur wenige Städte ziert eine so schöne Lage auf einem Felsen am Meer und kaum irgendwo sind dicke mittelalterliche Steinmauern und –türme so gut bewahrt wie hier.
Die Umgebung Dubrovniks besitzt nicht viele monumentale Gebäude, aber es ziert sie die Harmonie einer in die grüne Landschaft eingebetteten Architektur. Dies kommt besonders in der südlichsten Ecke Kroatiens zum Ausdruck, im fruchtbaren Tal Konavle.
Diese zeigt sich in der Bewahrung der schönen Volkstrachten und einem gut erhaltenen Architekturerbe wie den Konavoski Dvori an der Quelle des Flüßchens Ljuta. Der ethnographische Reichtum Konavles wird im Ethnographischen Museum im Ort Cilipi bewahrt. Der südlichste Teil Konavles und des gesamten kroatischen Festlands, die Halbinsel Prevlaka, ist durch seine strategische Bedeutung für die Kontrolle des Eingangs in die Bucht Boka Kotorska im benachbarten Montenegro bekannt, der noch heute von einer monumentalen Festung überragt wird.
Der Hauptort Konavles ist das malerische Cavtat, der Geburtsort des großen kroatischen Malers Vlaho Bukovac. Sein Geburtshaus beherbergt heute eine Galerie seiner Bilder. Eine andere wertvolle Zierde Cavtats ist das Mausoleum der Familie Racic von 1921, ein Werk des kroatischen Bildhauers Ivan Mestrovic.
Westlich von Dubrovnik erstreckt sich das Dubrovniker Küstengebiet, das durch die im Grünen gelegenen Sommerhäuser der Dubrovniker Adelsherren bekannt ist. Auf einem dieser Besitztümer im malerischen Ort Trsteno ist das schönste kroatische Arboretum angelegt worden, wo auf kleinem Raum eine Reihe verschiedener subtropischer Pflanzen-, Blumen- und Baumarten gepflanzt wurde. Das ganze Arboretum Trsteno ist als Landschaftspark gestaltet und mit Skulpturen ausgestattet, von denen die Statue des griechischen Gottes Poseidon vor einem malerischen Springbrunnen die bekannteste ist. Das Arboretum zieren auch harmonisch gestaltete Rastplätze, von denen man den Ausblick auf die offene Weite des Meeres genießen kann.
Noch weiter westlich erstreckt sich das landschaftlich außergewöhnlichste Gebiet der Region Dubrovnik, das Neretva-Delta mit seinen erhaltenen Sumpfgebieten und den malerischen Ortschaften wie der alten Stadt Opuzen. Hier liegt auch das Dorf Vid am Ort des einstigen antiken Narona, das ein Denkmal für Fürst Domagojs Schützen ziert, die im frühen Mittelalter die kroatische Unabhängigkeit verteidigten.
Wenden wir uns von der Dubrovniker Küste aus zur Insel Korcula, müssen wir die bergige, weinreiche Halbinsel Peljesac durchqueren. Das alte Zentrum dieser Halbinsel ist das malerische Städtchen Ston auf der Landenge, die die Verbindung zum Festland bildet. Zwischen Ston und dem benachbarten Mali Ston („Kleines Ston“), das für seine Austernzucht bekannt ist, erstrecken sich imposante Mauern, und auch die Überreste einstiger Festungen sind teilweise erhalten.
Am westlichen Ende von Peljesac liegt Orebic, seine größte Siedlung und ein berühmtes Zentrum der Hochseekapitäne. Von der starken Seefahrtstradition Orebics zeugt das Bestehen zweier nautischer Sammlungen, einer im Schifffahrtsmuseum und der anderen im Rahmen der Sammlung des Franziskanerklosters auf einem Berg oberhalb von Orebic. Hier findet man außer der Kirche Gospa od Andjela auch einen unvergeßlichen Ausblick auf den Peljesac-Kanal, Korcula und andere Inseln.
Die größte Insel in Süddalmatien, Korcula, bietet wieder eine Fülle großer Gebäude, vor allem in ihrem Hauptort, der ebenfalls den Namen Korcula trägt. Die Stadt verdankt ihr heutiges Gesicht hauptsächlich der Periode vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, als sie, anders als der Rest der Region Dubrovnik, zur Republik Venedig gehörte. Typisch für Korcula sind das Straßenraster in Form von Fischgräten und die erhaltenen Bauwerke aus Gotik und Renaissance.
Unter ihnen sticht besonders die Kathedrale Sveti Marko mit ihrem reich verzierten Äußeren und Inneren hervor, die ein Bild des großen venezianischen Malers Tintoretto birgt. Das zweitwichtigste Sakralbauwerk ist das Franziskanerkloster mit einem ebenfalls üppig verzierten Äußeren auf der kleinen Insel Badija vor der Stadt. Hier befindet sich auch das städtische Museum Korculas, das Exponate von den ältesten Zeiten bis zum 20. Jahrhundert enthält.
Aber meistens finden Besucher Korculas das Haus der Familie Polo am interessantesten, denn von hier stammt der berühmteste Sohn der Insel, der große Weltenbummler Marco Polo. Die Korculaner pflegen ihr Erbe sorgsam, was in der Veranstaltung kirchlicher Feiern zum Ausdruck kommt und noch stärker in dem mittelalterlichen Ritterspiel Moreska, das traditionell einmal jährlich auf den Straßen der Stadt stattfindet.
Ein wertvolles Erbe bewahren auch die zwei großen Orte im Westen der Insel, Vela Luka und Blato. Bei Vela Luka, das man aus einem schönen Lied kennt, liegt auch die bedeutendste prähistorische Fundstätte Dalmatiens Vela Spila („große Grotte“). Hier wurden in einer Höhle oberhalb der Stadt zahlreiche Keramiken, steinerne und knöcherne Gegenstände aus der Zeit des Neolithikums und gut erhaltene verzierte Gräber gefunden. Das malerische Blato im Inneren der Insel, einst die größte Siedlung der Adriainseln, ist heute bekannt für seine erfolgreiche Landwirtschaft und die dem Ambiente angepaßte Architektur.
Die beiden äußersten Inseln der Region Süddalmatien, Mljet und Lastovo sind eher für ihr Naturerbe bekannt, den Nationalpark Mljet und den Naturpark Lastovo-Archipel. Aber sie besitzen auch interessante Kulturdenkmäler, unter denen das Benediktinerkloster aus dem 12. Jahrhundert auf einer kleinen Insel mitten im See Veliko Jezero im Nationalpark das wichtigste ist.
Auf der Insel Lastovo erregt der gleichnamige Hauptort durch seine Form Aufmerksamkeit, da er wie ein Amphitheater an den Berghängen oberhalb einer fruchtbaren Ebene liegt. Er ist bekannt für die phantasievollen Schornsteine auf den Hausdächern, die erhaltenen Volkstrachten und für seinen eigenartigen Karneval. Ganz besondere Perlen der Architektur sind auch die alten Leuchttürme aus dem 19. Jahrhundert auf den äußersten Inselchen in den Gewässern Lastovos, Susac und Glavat.
Und am Ende einer Reise durch Dalmatien und Kroatien wäre es eine Sünde, den Elafiti-Archipel vor Dubrovnik mit seinen charmanten alten Sommerhäusern und Schlössern aus der Zeit des größten Glanzes der ruhmreichen Republik Dubrovnik nicht zu erwähnen. Die meisten von ihnen findet man auf der Insel Sipan, und das schönste ist das Renaissanceschloss der Familie Stjepovic – Skocibuha aus dem 16. Jahrhundert.
