Mitteldalmatien

Mitteldalmatien hat eine Fläche von 4.524 km², 16 Städte und 39 Gemeinden. Es ist das Zentrum und das wahre Herz Dalmatiens, wo die meisten seiner Einwohner leben (ca. 460.000) und wo sich die wichtigsten dalmatinischen Inseln und die schönsten Strände befinden. Das Klima ist überwiegend angenehm mild und die Vegetation ist mediterran. Hier gibt es auch die größte Zahl an wertvollen Kulturdenkmälern und zwei von insgesamt fünf Lokalitäten, die zum Welterbe der UNESCO erklärt wurden: u.a. das historische Zentrum von Split mit dem Diokletianpalast und die historische Stadt Trogir. Wenn Dalmatien, wie viele meinen, den eigentlichen, ursprünglichen Mittelmeerraum bildet, dann ist sein zentraler Teil um Split herum sozusagen das Herz des ganzen Mittelmeers. Begrenzt wird der schmale Küstenstreifen durch das Biokovo-Gebirge (höchster Punkt 1762m), ein Karstgebirge, das unter Naturschutz steht.

Der Spliter Teil Dalmatiens teilte das historische Schicksal der übrigen Teile Dalmatiens, war aber wegen seiner zentralen Lage und des Schutzes durch sein weitläufiges Hinterland etwas weniger Verwüstungen ausgesetzt als die benachbarten Regionen. Daher leben hier so viele Menschen und daher hat sich auch der ursprüngliche mediterrane Geist so gut erhalten. Dies gilt besonders für die Stadt Split, die nach Zagreb die größte Stadt und das wichtigste Kulturzentrum Kroatiens ist. In der Nähe von Split liegen auch die beiden anderen großen Küstenstädte des Mittleren Dalmatien, Trogir und Omis, während sich weiter im Süden die malerische Makarska-Riviera erstreckt. Vor Split liegen nebeneinander fast alle großen dalmatinischen Inseln: Brac, Solta, Ciovo, Hvar und Vis. Nach Split orientiert sich auch der größte Teil des dalmatinischen Hinterlandes mit Sinj, Imotski, Vrlika und Vrgorac.

Obwohl alle diese Lokalitäten reich sind an kulturellem Erbe von der Vorgeschichte bis in die neueste Zeit, ist das, was den Mittelteil Dalmatiens so besonders macht, das außerordentlich gut erhaltene antike Erbe. Hier befinden sich die zwei wichtigsten antiken Siedlungen Dalmatiens, das altgriechische Issa und das römische Salona, und das größte antike Juwel Kroatiens, das Zentrum von Split mit dem Diokletianpalast. Das bekannte Spliter Lied, das besagt, daß der römische Kaiser Diokletian seinen Palast an der „schönsten Stelle der Welt, gerade mitten in Split“ erbaut hat, hat gar nicht so Unrecht. Dieser römische Kaiser hat Ende des 3. Jahrhunderts für seinen Palast eine geschützte, ruhige Bucht unterhalb des bewaldeten Berges Marjan ausgewählt, vor der sich Inseln erstrecken, von denen eine schöner ist als die andere, und in der noch heute Heilwasser fließen.

Split wurde erst nach dem ersten Weltkrieg die Hauptstadt Dalmatiens, als die bisherige Hauptstadt Zadar vorübergehend unter italienische Verwaltung gefallen war. In der Antike war Salona das Zentrum Dalmatiens, dessen Überreste sich in unmittelbarer Nähe der Stadt Split befinden, dem heutigen Solin.  Das antike Salona war die Metropole der großen römischen Provinz Dalmatien, die damals einen Raum an der Ostküste der Adria einnahm, der größer war, als das gesamte heutige Kroatien.

Von der Bedeutung Salona zeugen die weitläufigen Ruinen, die Besucher oft überraschen, da sie in einer Industrievorstadt Splits liegen. An einigen Stellen sieht man ganze Grundrisse einzelner Gebäude und erhaltene Torbögen einstiger römischer Paläste. Aber die meisten Funde aus Salona werden in dem wertvollsten der Spliter Museen bewahrt, im Archäologischen Museum, dem ältesten Museum Kroatiens, das 1820 begründet wurde.

Das Museumsgebäude ziert ein ansprechendes Atrium, und die geschmackvolle Inneneinrichtung veredeln etwa 150.000 verschiedene Exponate. Außer Funden aus Salona und anderen römischen Siedlungen gibt es hier auch eine Vielzahl von Gegenständen aus der altgriechischen und der frühmittelalterlichen Periode. Zu den interessantesten Abteilungen zählen die Sammlung antiker Sarkophage, die Steinskulpturen, die antiken Tonlampen und das römische Glas, die Knochen- und Metallgegenstände und die Edelsteinsammlung.

An der Küste der Kastela-Bucht, an der Split und das antike Salona liegen, findet man noch ein weiteres großes Juwel des kroatischen Kulturerbes, das als Teil des Welterbes unter dem Schutz der UNESCO steht, die historische Stadt Trogir. Auch die nähere Umgebung von Trogir bietet viele gut erhaltene Kulturdenkmäler. Unter ihnen sind eine Mühle aus dem 16.  Jahrhundert in Pantana unweit des Flughafens Split und ein Festungsturm in der Ortschaft Marina aus dem 15. Jahrhundert besonders erwähnenswert.

Wenn wir uns von der Küste der dalmatinischen Region Split den mitteldalmatinischen Inseln zuwenden, erwartet uns auch hier eine Fülle antiker und mittelalterlicher Denkmäler, aber auch grüne Landschaften und malerische Dörfer und Städte. Unter diesen Inseln sticht Hvar besonders hervor, das die bekannte amerikanische Zeitschrift „Traveller“ zu einer der zehn schönsten Inseln der Welt gekürt hat. Hier begeistert die von mächtigen mittelalterlichen Mauern umgebene Hauptstadt Hvar die Besucher mit ihrer Schönheit am meisten. Von ihrer Festung Spanjol hoch über der Stadt bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die grünen Inseln Pakleni Otoci und die Weiten des offenen Meeres.

Und am Ende unserer Reise durch das Mittlere Dalmatien ist es an der Zeit, auch einen Blick in das karstige Innere der Dalmatinska Zagora zu werfen, der Heimat einer stolzen und kriegerischen Bergbevölkerung, die für die Bewahrung ihrer alten Bräuche bekannt ist. Der bekannteste unter ihnen ist das kroatische Ritterspiel der Sinjska Alka. Es findet jedes Jahr im August in der größten Stadt der Dalmatinska Zagora statt, in Sinj, und markiert den Jahrestag einer Schlacht von 1715, als 500 kroatische Soldaten aus Sinj den Angriff eines 60.000 Mann starken türkischen Heeres zurückwarfen.

In diesem Ritterturnier bemüht sich der Reiter in einer traditionellen Alkaritracht auf einem Pferd in vollem Lauf in drei Durchgängen mit einer Lanze die Mitte eines kleinen Eisenrings, der „Alka“, zu treffen und für den Sieg so viele Punkte wie möglich sammeln. Auch die anderen Teilnehmer der Alka tragen traditionelle Trachten, und die Mädchen aus Sinj und seiner Umgebung haben ihre Traditionstracht ebenfalls bewahrt. Außer durch die Alka ist Sinj auch durch die Wallfahrt der Wundertätigen Jungfrau von Sinj, die wichtigste Wallfahrt Dalmatiens, bekannt, und es besitzt auch ein interessantes Museum.

Die Umgebung von Sinj bietet viele archäologische Funde aus der Antike und dem frühen Mittelalter. Eine Besonderheit sind seine Stecci, frühmittelalterliche kroatische Grabdenkmäler. Auf dem Wege von Sinj nach Split befindet sich auch das monumentalste Denkmal der Dalmatinska Zagora, die herrschaftliche Festung in Klis, die durch mehrere Schlachten gegen die Türken im 16. Jahrhundert bekannt geworden ist. Von ihren noch heute bewahrten Mauern und Türmen bietet sich einer der schönsten Ausblicke auf die Stadt Split. Eine monumentale Festung  ziert auch die zweite wichtige Stadt der Dalmatinska Zagora, Imotski, unterhalb derer sich der wunderbare See Modro Jezero darbietet.